Montag, Februar 23, 2015

Das große Unbehagen

Was ist eigentlich los mit der Welt? Wie soll das enden? Wo stehen wir? 

Spätestens mit dem Krieg in der Ukraine ist es gekommen: das große Unbehagen, die Gewissheit in einer Phase des Umbruchs zu leben. Mit Fragen in Situationen konfrontiert zu sein, die einen rat- und sprachlos werden lassen. Es ist das Unbehagen wenn ein Weltbild zerbricht.

Denn das Böse ist zurück. Wir hatten es überwunden geglaubt. In den Kirchen wird der liebe Gott gepredigt. Verschwunden sind Teufel und Hölle, Sünde und Gericht. In der Justiz hat Resozialisierung Strafe und Rache abgelöst, in der Pädagogik wird erklärt und diskutiert statt diktiert und sanktioniert. Und in der Politik suchen wir Konsens und Kompromiss. Verstehen statt verurteilen heißt die Formel.

Und wir fahren gut damit. Unser Land erlebt die sichersten und friedlichsten Zeiten seiner Geschichte, nie waren wir reicher, nie waren wir freier, nie ging es uns besser. Deshalb nehmen wir weniger die Einzeltäter, die sich falsch verhalten als Bedrohung wahr, sondern eher so, die diese Ordnung als solche infrage stellen. Einen Amokläufer wollen wir verstehen, die Leute von Pegida nicht.

Mit Putin wurde alles anders. Denn wir erleben, wie unser Verstehen-Wollen, wie unsere Kompromisssuche keine Wirkung zeigt, keinen Frieden bringt. Im Gegenteil, die andere Seite scheint dieses Bemühen eiskalt einzuberechnen, um mit nackter Gewalt Boden gut zu machen, Städte und Regionen militärisch zu erobern, während wir von Waffenstillstand und Verhandlungslösung reden.

Hier begegnet uns beides in einem: der Bruch und die radikale Infragestellung unserer Friedensordnung. Das Entfesseln von kriegerischer Gewalt und die freche Behauptung der Überlegenheit. Wir spüren, dass wer jetzt noch Verständnis predigt in Wahrheit vor der Gewaltanwendung kapituliert. Und wir ballen die Faust in der Tasche. 

Aber wir wollen uns nicht schlagen. Es ist uns zuwider, und wir wissen, dass ein Krieg alles vernichten kann wofür zu kämpfen lohnte. Wir wissen, dass alle die anderen Wege der Konfliktbewältigung, die wir mühevoll gelernt, erfolgreich ausprobiert und tapfer gegen Idioten verteidigt haben, um Längen besser sind.

Dass jemand nicht aus Dummheit, nicht aus Unkenntnis, sondern aus klarem Kalkül alle diese Mechanismen aushebelt und die Tore zur Hölle öffnet, die wir geschlossen, versiegelt und vergessen haben, macht uns Angst. Oder Unbehagen. Großes Unbehagen.

Heidelbaer

Kommentare:

Eiken Prinz hat gesagt…

..direkt von der Seele geschrieben - thumb's up!

Eiken Prinz hat gesagt…

...direkt von der Seele geschrieben - großartig!