Mittwoch, Januar 16, 2008

Tötet die Götzenanbeter, wo ihr sie trefft – aber keine Zivilisten!

Dass solche Meldungen überhaupt für eine Überschrift taugen, zeigt, wie tief der Islam in der öffentlichen Meinung schon gesunken ist. Es ist eine Meldung, weil einem die weltweiten Meldungen von Terroranschlägen gegen Märkte und Bazare, Familienfeste, Gotteshäuser und andere zivile Einrichtungen daran zweifeln lassen. Schließlich berufen sich die Täter auf ihre Religion, ihren Propheten und ihren Koran.

Doch ihnen kann nun geholfen werden. Wenn sie den Watchblog Islamophobie läsen (leider tun sie es wohl nicht) könnten sie jetzt von ihrem bösen Treiben ablassen, denn dort wird ein Rechtsgutachten (eine Fatwa) zitiert, die zivile Personen ausdrücklich vor Angriffen schützt. Der böse Vers, mit dem Auftrag „Tötet die Götzenanbeter, wo ihr sie trefft“ wird ordentlich in den engen Kontext der Auseinandersetzung um Mekka eingefügt, nicht ohne den Hinweis, dass es bei der tatsächlichen Einnahme Mekkas am Ende gar keine Todesopfer gab, dieser Aufforderung also schon in der historischen Situation nicht Folge geleistet wurde. Was für ein Glück für die Mushrikun, vor allem was für ein Glück, dass sie sich lieber gleich alle zum Islam bekehrten, statt dem Propheten Anlass zu geben, seinen üblen Worten noch üblere Taten folgen zu lassen. Da fragt man sich doch gleich: warum machen das eigentlich nicht alle?

Aber so ganz als kleinen Scherz „göttlicher Ironie“ (O-Ton der Fatwa) will man im Watchblog die Aufforderung zum Morden doch nicht stehen lassen. Immerhin sei ja Notwehr erlaubt, wenn einer „mit gezückter Waffe“ vor einem stünde. Das ist nicht der erste Vergleich auf dieser Plattform, in der das deutsche StGB mit den islamischen Regeln und Gesetzen verglichen wird. In einem Kommentar zu ihrem eigenen Beitrag stellt „khadijakiel“ ein weiteres Mal Koran und StGB in eine Reihe. Das hat offenbar Methode. Dabei ist leider kein Relativismus zu spüren wie in der Bezeichnung des mosaischen Gesetzes als „der Juden Sachsenspiegel“ durch Martin Luther. Stattdessen perlt eine islamistische Auffassung von Rechtspositivismus hervor, nachdem Gesetze samt und sonders als heilig gelten, und der Koran ihnen allen voran.

Das macht aber gerade die Frage legitimer Notwehr so schwierig. Denn im Unterschied zum Koran gibt es im StGB keinen „Islam“. Jedenfalls nicht im Sinne einer Person oder Körperschaft, die Täter oder Opfer von strafbaren Handlungen sein könnte. Der Islam kann im juristischen Sinne weder beleidigt noch angegriffen werden – und genausowenig hat „der Islam“ das Recht zu Widerstand, Notwehr und Gewalt. Das begreifen „khadijakiel“ und „bigberta“ nicht, sie sehen die Muslime in ihrem Aufstand gegen die Beleidigung ihres Propheten im Recht. Sie teilen damit die höchstproblematische Sicht einer „Ummah“ einer Körperschaft aller Muslime quer durch alle Nationen und Kontinente, quer durch alle Sekten und Verbände, ja quer auch durch alle Generationen der lebenden, toten und zukünftigen Muslime.

Hat man aber erst so ein Kollektiv etabliert, wird die Notwehrfrage zu einer Sollbruchstelle des Friedens und Gewaltverzichts aller Muslime gegenüber allen Ungläubigen. Ab wann tritt der „Verteidigungsfall“ ein? Wer darf ihn erklären? Müssen sich die Muslime wehrlos abschlachten lassen, bis ein rechtgeleiteter Kalif diese Entscheidung trifft, oder muss es nicht möglich sein vorher zur Selbstverteidigung zu greifen? Aber ab wann ist das der Fall? Wann, wo und wie wird das diffuse Numinosum namens „Ummah“ angegriffen?

Hier sprudeln die Antworten nur so hervor: Permanente Beleidigung der Muslime und des Propheten in den Medien! Beleidigung von Muslimen in der Öffentlichkeit! Diskriminierung durch Kopftuchverbot, Schwimmunterrichtspflicht, verschleppte Baugenehmigungen für Großmoscheen, Schweinefleisch im Kantinenessen und Kreuze im öffentlichen Raum. Kurz: durch die ganze Islamophobie unserer Gesellschaft, man kann das benannte Blog rauf und runter lesen und wird erkennen: Ja, die Ummah ist in Gefahr, sie ist permanenten Attacken ausgesetzt, von offen bis subtil. Von Kirchen, Medien, Staat, Wirtschaft und der ganzen Gesellschaft.

Und wem das nicht reicht, der darf die Ausbeutung der Muslime durch die Globalisierung beklagen, die Besetzung Iraks durch die Amerikaner und wenn alles nicht hilft: Israel sticht immer! Hier sieht doch wohl nun jeder, dass Krieg geführt wird gegen die Ummah, mit den Palästinensern leiden alle Muslime mit, jedes Opfer wird gezählt, von tropfendem Blut gerahmt, jeder auch von den Israelis in Notwehr erschossene Mörder ist ein Bruder, ein Sohn, ein Vater der Ummah.

Wo, bitteschön, sind da noch Zivilisten? Wir alle sind doch Kombattanden in diesem kollektiven Angriff auf den Islam, den Propheten und alle Muslime insgesamt! Erinnern wir uns noch an diese unglaubliche „Mubahala“ eines Dr. Yavuz Özoguz, der die Vernichtung aller Muslime beschworen hat, sollten der Islamkritiker Raddatz und seine Schüler recht haben? Damit werden die Argumente und Gedanken eines Professors gefährlicher als jede amerikanische oder israelische Atombombe: sie bedrohen die schiere Existenz der gesamten Ummah.

Es ist Krieg, ein Vernichtungskrieg gegen den Islam ausgebrochen, und jeder Bildleser steht mit an vorderster Front, jeder Banker im World Trade Center, jeder der den von Ausrottung bedrohten Muslimen die Solidarität verweigert und womöglich Jaffa-Orangen kauft. „Tötet die Götzenanbeter wo ihr sie trefft!“ auf keinem Boden gedeiht die Saat dieses Brandspruches besser, als auf dem undurchsichtigen Sumpf von Hass und Bedrohung, den Blogs wie der Watchblog Islamophobie in die Hirne und Herzen ihrer Leser schreiben.

Samstag, Januar 12, 2008

Solidarität mit Taslima Nasrin!

Von Muslimen bedrohte Schriftstellerin Nasrin meldet sich aus Exil
Erfolgsautorin beschreibt ihr Leben als "langsamen Tod"

Die Schriftstellerin Taslima Nasrin aus Bangladesh lebt heute im Exil an einem unbekannten Ort in Kalkutta, Indien.

Siehe auch: taslimanasrin.com

Montag, Januar 07, 2008

Von Äpfeln und Matschbirnen

Was ist so schlimm an Scientology?
Diese Frage stellte Beda M. Stadler in einem Artikel der Schweizer Weltwoche.

Denn: Wer Scientology verbieten will, muss auch die klassischen Kirchen und sämtliche Sekten abstrafen. Sie alle verfechten merkwürdige Dogmen, nehmen ihre Mitglieder aus, betreiben allerlei Hokuspokus und sind wissenschaftsfeindlich.
Hier klicken!

Darauf kann man eigentlich nur erwidern, dass dieser Einwand eine gewisse Berechtigung hat.
Denn gemessen an heutigen Gesetzen und dem Verständnis von Staat, Religion und Gesellschaft würden nur die wenigsten religiösen Gruppen einen Status als offiziell anerkannte Religionsgemeinschaft bekommen - auch nicht die Katholiken oder Protestanten.
Dass allerdings diese Unterscheiung heutzutage überhaupt getroffen wird verdankt sich eben auch den negativen historischen Erfahrungen mit Religion in Europa.

Wobei man betonen muss, dass es bei dieser Debatte ja nicht um ein Verbot von Scientology oder wem/ was auch immer geht, sondern eben um all jene Rechte die die Gesellschaft auschließlich den von ihr offiziell anerkannten religiösen Gemeinschaften bietet - sozusagen ein Gütesiegel.

Was ist also so schlimm daran, Scientology dies nicht zu ermöglich - auch angesichts ihres Sündenregisters?
Ein öffentliches Interesse besteht nicht und ein Rechtsanspruch ebensowenig.
Übrigens verlangen die Anhänger des fliegenden Spaghettimonsters oder der Kult der Jedi-Ritter auch keine steuerliche Vorzugsbehandlung oder das Recht öffentliche Schulen zu betreiben.

Auf die Frage was nun an Scientology so schlimm ist, bietet Herr Beat leider keine Antwort, wichtig scheint ihm nur, dass sie das vermeintliche Recht haben Unfug steuerlich bevorzugt anzustellen.
Doch dem Manne kann geholfen werden: Kreuzzug Europa