Donnerstag, Dezember 21, 2006

Man muss die Dänen einfach lieben!



Eine Gruppe dänischer Künstler hat dieses Bild in der englischsprachigen Teheran Times abdrucken lassen.
Haben Sie es bemerkt?
Einfach die Großbuchstaben links nach unten lesen.

Und der iranische Satiriker Ebrahim Nabavi schreibt an Ahmdinedschihad:
Dear Mr. Ahmadinejad, President of the Islamic Republic of Iran

Mittwoch, Dezember 20, 2006

Bürgerkrieg in Palästina? WIR sind schuld!

Eigentlich kennt man das: Da werden Waffenruhen vereinbart und sofort wieder gebrochen, da wird verhandelt obwohl es keinerlei Grundlage gibt, aber weil irgendwelche Vermittler das erzwingen. Dann werden wortreich vor hunderten von Kameras Ergebnisse präsentiert, die meist irgendwelche frankensteinmäßig zusammengefledderten Leichenteile der zerbombten und zerschossenen Kompromisslösungen vergangener Tage, Wochen, Monate und Jahre sind, wiederbelebt mit Dollars und Euros, die für den guten Willen gezahlt werden, der gar nicht vorhanden ist. Aber wenigstens ein bisschen so tun als ob, ist ja auch etwas wert. Also wird verkniffen gelächelt, abkassiert, und weiter geschossen, gebombt gemordet. Ziele sind Zivilisten, Kinder, und alle, die man zu Feinden stempelt. Alltag in Palästina.

Neu ist indes, dass diese Szenarios sich nun innerpalästinensisch abspielen, mit dem verschärfenden Faktor, dass sich nun tatsächlich beide Seiten des Verhandlungstisches in der beschriebenen Weise verhalten, was naturgemäß die Wirkdauer der so gefundenen Kompromisslösungen und Waffenstillstände erheblich reduziert. Es findet sich ja nicht mal jemand, der Hamas oder Fatah dazu aufriefe, die flagranten Brüche der Vereinbarung der jeweils anderen Seite um des lieben Friedens willen doch zu ignorieren. Man sei ja gewählter Präsident, resp gewählte Regierung, und müsse gegenüber den schwer steuerbaren Milizen der anderen Seite doch ein paar Anschläge erlauben, ohne gleich die Vereinbarung in Rauch und Feuer aufgehen zu lassen.

Aber immerhin findet sich jemand, er uns erklärt, wo die Ursachen dafür sind. Nicht etwa, dass das gegenüber Israel eingeübte Verhaltensmuster nun verhindert auch innerpalästinensich echte Friedenslösungen zu finden, und ernsthaft einen Kompromiss zu suchen, was ja auch bedeutete, Macht zu teilen und Ansprüche aufzugeben. Nein, liebe Leser, WIR sind schuld. Dazu kommt jedenfalls nach einigen sehr spektakulär zutreffenen Einsichten (wie das Israel derzeit tatsächlich ein Friedenspartner fehle) Andreas Cichowitz vom NDR in seinem Kommentar in den Tagesthemen.

Israel (natürlich!) und auch wir als Westen (immerhin!) hätten systematisch die Gemäßigten in Palästina demontiert, und säßen nun gewissermaßen selber vor dem Scherbenhaufen extremisticher Splittergruppen mit denen Verhandlungen nicht möglich seien. Nun, wir Abendländler sind ja gerne mal schuld, und dass Israel auch dann schuld ist, wenn Palästinenser sich gegenseitig erschießen, leuchtet ja ohnehin jedem ein, der sich ein bisschen in die Nahostlogik unserer Medien eingelesen hat.

Aber wo wurden bitte Gemäßigte unter den Palästinensern von Israel oder vom Westen demontiert? Welche Gemäßigten denn? In Wirklichkeit hat man doch Arafat, als er nur andeutete, man könne eventuell das Existenzrecht Israels anerkennen, und über eine Zweistaatenlösung nachdenken, sämtliche rote Teppiche ausgerollt, ihn in alle Hauptstädte geflogen, ihn mit Friedenspreisen überhäuft (einschließlich dem Friedensnobelpreis), ihm einen Flughafen gebaut, ihn mit EU-Geldern überhäuft, Israel hat ihm Autonomiegebiete unter voller und teilweiser Selbstverwaltung eingeräumt und man hat ihm in Camp David und Taba eine Endstatuslösung vorgelegt, die ihm 97% des in selbstverschuldeten Kriegen sinnlos verlorenen Palästinenserlandes als souveränes Staatsterritorium zugebilligt hätte.

Sieht so Demontage aus? Aber Arafat lehnte alles ab, er blähte stattdessen mit den Millionen und Milliarden aus dem Westen eine korrupte Bürokratie auf und scheffelte Waffen, Waffen und noch mehr Waffen und pumpte sie in einen Wirrwarr von polizeilichen, militärischen, geheimdienstlichen, paramilitärischen und eindeutig terroristischen Organisationen, um seinen endgültigen Befreiungskrieg gegen Israel glorreich führen und gewinnen zu können.

Sieht so ein Gemäßigter aus? Sein Vorhaben scheiterte erbärmlich, die palästinensischen Autonomiegebiete machte er zu einem Armenhaus, in dem es zu allem Übel auch noch an allen Ecken brennt und blutet. Flughafen kaputt, Selbstverwaltung in der Agonie, Humanitäre Katastrophe absehbar. Die von ihm persönlich immer verhinderten Wahlen werden zu einem Debakel, das einzige was ihn überlebt hat, ist der Hass. Hamas gewinnt die Wahl.

Ist der Westen schuld? Ja, aber nicht weil er "die Gemäßigten" zu wenig unterstützt oder gar demontiert hätte. Im Gegenteil. Schuld ist der Westen, weil er ständig "Gemäßigte" zu finden meint, wo einfach keine sind. Und dann Kriegstreiber unterstützt, die in ihrem Milizen Kindersoldaten rekrutieren und Zivilisten zu legitimen Zielen ihrer militärischen Operationen erklären. Wegen drohender humanitärer Katastrophen fließt weiter EU Geld nach Palästina, obwohl erkennbar ist, dass für Brot kein Euro da ist, aber für blaue Bohnen offenbar noch reichlich Kapital verfügbar ist.

Ohne einen radikalen Schnitt in der Palästinapolitik macht sich der Westen in der Tat mitschuldig am Leiden des Volkes dort. Aber nicht ganz so, wie Herr Cichowitz sich das vorstellt

Heidelbaer

Samstag, Dezember 16, 2006

Made in Turkey

Oder, Das türkische Religionsministerium erweitert seinen Aufgabenbereich

Nachdem in den Niederlanden bei den jüngsten Wahlen eine türkischstämmige Kandidatin der Linkspartei "D66" dank 35.000 Vorzugsstimmen ins Parlament gewählt worden war, obwohl ihre Partei drei Mandate verloren hatte, stellt sich heraus: dem war eine massive E-Mail-Kampagne zugunsten der Kandidatin vorausgegangen. Absender der Mails: das türkische Ministerium für Religions-Angelegenheiten im fernen Ankara.

Auch wenn sich der zuständige Minister eilends von der Sache distanzierte, zeigt sie doch prototypisch, worum es in Wahrheit geht. Denn ein Land, in dem als Normalität hingenommen wird, dass ein (zehntausende Beamte umfassendes) "Religionsministerium" nicht nur jeden Freitag festlegt, welche Predigten in den Moscheen des Landes ertönen, sondern dessen Mail-Server offenkundig auch noch in irgendeiner Form dazu benutzt wird, das politische Verhalten von in der EU wahlberechtigten Türken zu steuern – ein solches Land ist in seiner Wertebasis ganz offenkundig ziemlich weit von dem entfernt, was in der Europäischen Union Standard ist; mehr oder weniger zumindest ... Zum Artikel

Anzumerken ist noch, dass dieses türkische "Religionsministerium" (eigentlich ja nur ein islamisches) seine Variante des nationalistischen Turkislams vor allem über Organisationen wie die deutsche DITIB (Diyanet) oder die Österreichische ATIB verbreitet.
Etwa über die Errichtung und die personelle Besetzung von Moscheen, oftmals mit europäischen Steuergeldern mitfinanziert.
Eine ausländische Behörde betreibt also in Europa religiöse Einrichtungen, welche bei uns die Vorgaben der türkischen Politik umsetzen sollen.
Und das ganz unabhängig davon, ob es, wie in Deutschland, keine offiziell anerkannte islamische Glaubenvertretung gibt, oder, wie in Österreich, eine oftmals als vorbildlich beschworene anerkannte.
Was ja scheinbar ohnehin keinen großen Unterschied zu machen scheint, denn auch in Österreich arbeitet man fleißig an "religiösen Auslandsvertretungen" des türkischen Staatsapparates.

Mittwoch, Dezember 13, 2006

Gottesstaat in der Warteschleife

Im Jänner 2008 finden in Bangladesh Wahlen statt.
Als Gewinner könnten daraus die islamistischen Parteien mit ihrem Koalitionspartner der Bangladesh Nationalist Party (BNP) hervorgehen.

Die alltäglichen Demonstrationen und öffentlichen Auseinandersetzungen der politischen Lager verlaufen regelmäßig gewalttätig, auch Tote sind keine Seltenheit.
Der Präsident - gleichzeitig Vorsitzender des seit Oktober regierenden "Caretaker Government", welches im Laufe von drei Monaten die Voraussetzungen für freie Wahlen schaffen soll - hat die Armee aufgefordert, die Sicherheit während der Wahlperiode zu gewährleisten, dazu wurden u.a. 70 Bataillone mit Panzern stationiert.
Diese weltweit einzigartige Übergangsregierung wie auch deren Vorgangsweise werden jedoch von vielen der bisherigen Oppositionsparteien abgelehnt, die dahinter lediglich politische Manöver und Wahltaktik vermuten, vor allem wegen eines Naheverhältnisses mehrer Proponenten zur BNP.

Gute Wahlchancen werden der Awami League eingeräumt, da viele Menschen in Bangladesch von der BNP-Regierung enttäuscht sind. Die Korruption hat bisher ungekannte Ausmaße angenommen, von den fünf neuen privaten Fernsehstationen, welche in den vergangenen Monaten gegründet wurden, sind sämtliche Eigentümer frühere Minister der BNP.
So manch prominente BNP-Politiker ist zu großem Reichtum gelangt: Einer davon ist Tariq Rahman, der Sohn der scheidenden Premierministerin Khaled Zia. Als er 250 Millionen Dollar nach Malaysia transferieren wollte, um dort Geschäfte zu machen, ließ die malaysische Regierung das Geld einfrieren.
Auch die künstlich hochgehaltenen Preise von Grundnahrungsmitteln, Syndikate werden dafür verantwortlich gemacht, rufen Unzufriedenheit bei der Bevölkerung hervor.
So gibt es etwa Syndikate für Reis, Zucker oder Kerosin: Ein Kilo Zucker wird für 56 bis 60 Taka verkauft, also fast das Doppelte dessen was es eigentlich kosten dürfte.

Aus dieser schlechten Ausgangslage heraus möchte die BNP eine Wahlniederlage verhindern und paktiert deshalb mit der radikalislamischen Jamaat-e-Islami Bangladesh, auch um möglichen Gerichtsverfahren zu entgehen.
Die Jamaat-e-Islami, die ursprünglich die Trennung von Pakistan ablehnte und die in einigen Regionen bereits an die Taliban gemahnende Strukturen etablieren konnte, hat gemeinsam mit anderen islamistischen Kräften ihre Position während der vergangenen fünf Jahre deutlich gestärkt.
So hat Sie ihre Leute in wichtigen Positionen von Verwaltung und Polizei untergebracht, überdies ermöglicht ein neues Gesetz den Absolventen von islamischen Religionsschulen (Madrasas), nun den Zugang zum Staatsdienst - ein Schritt der wegen der meist ungeeigneten und mangelhaften Ausbildung dieser Personen die Situation innerhalb der staatlichen Strukturen weiter verschlimmern dürfte.

Die islamistischen Kräfte erhoffen durch einen Wahlsieg ihrem eigentlichen Ziel, der Errichtung eines islamischen Staates, wieder näher zu kommen.
So hat sich, seit der Staatsgründung im Jahr 1971 und der gewaltsamen Loslösung von Pakistan, der Anteil an nichtmuslimischer Bevölkerung von rund 33 % auf jetzt rund 10 % verringert, viele davon haben das Land in Richtung Indien verlasen.
Vor diesem Hintergrund scheint auch eine Machtübernahme des Militärs mit Stütztung durch die BNP und ihre islamistischen Koalitionäre nicht völlig unwahrscheinlich.

Samstag, Dezember 09, 2006

Happy Muha-mess!



Die Geburt des Propheten Muhammed
Aus dem Jami‘ al-tavarikh, Iran (Tabriz), c. A.H. 714/A.D. 1314–15
Tinte, Farbpigmente und Gold auf Papier
Edinburgh University Library (MS Arab 20, folio 42r), Cat. 6
In der entsprechenden Ikonographie ersetzen die drei Frauen links die drei Weisen aus dem Morgenland.
Der Großvater des Propheten Abd al-Muttalib rechts vertritt Joseph.

Ochs und Esel ... aber lassen wir das. ^^

Freitag, Dezember 08, 2006

Baker-Hamilton-Kommission

Alle 79 Punkte des Reports durchzunehmen würde den Rahmen dieses Blogs sprengen, aber es lohnt sich, die wenigen in den Medien genannten Punkte anzusprechen.
Etwa die Einbeziehung des Iran und Syriens, um die Lage im Irak zu stabilisieren.

Dieses Ansinnen belegt eigentlich, dass diese beiden Länder bisher wohl einiges dazu beigetragen haben die Lage zu verschlimmern - neben den Fehlern die sich die USA und Großbritannien geleistet haben.
Die irakische Politik und die Sicherheitskräfte stärker in die Pflicht zu nehmen ist an sich ein guter Vorschlag.
Allein, wie bei den meisten derartiger "guten Ratschläge" ist die Frage der Umsetzung der Knackpunkt, nicht jener der Zielsetzung, denn so klug war man auch schon bisher gewesen
Unterm Strich bleibt von dem Report der Kommission vielleicht folgendes: Irgendwie ist alles mit allem verbunden, und wenn alle Beteiligten auch irgendwie ihren Willen bekommen, ist Ruhe in der Kiste.

Weshalb allerdings Syrien - das munter die Hisbollah aufrüstet, eine gewählte Regierung stürzen möchte und dabei nichtmal vor Morden an libanesischen Politikern zurückschreckt - durch gutes Zureden und einer eventuellen Rückgabe des Golan, darauf verzichten sollte, den Libanon als Protekrorat oder abhängiges Staatsgebilde zu betrachten, wird nicht beantwortet.

Auch was Israel mit dem Streben des Iran nach regionaler Dominanz (inklusive Atomwaffen) über die sunnitischen Araber, sowie der Kontrolle des persischen Golfs, zu tun hat wird nicht beantwortet.
Ebenfalls nicht beantwortet wird, weshalb der Iran Interesse daran haben sollte, dass sich Shiiten und Sunniten im Irak aussöhnen - eher das Gegenteil bringt ihnen doch Vorteile.
Es bleibt also ein schaler Nachgeschmack, denn offenbar mangelte es nicht nur den meisten Neocons an Durchblick in der Region, sondern auch James Baker, und der Mann war immerhin mal Außenminister, auch dass jemand wie Lawrence Eagleburger Kommissionsmitglied ist stimmt auch nicht gerade zuversichtlich, der Mann machte bereits am Balkan eine traurige Figur.

Hoffen wir also auf Gates!

Mittwoch, Dezember 06, 2006

Terrorexport

Die ägyptische Polizei hat in den vergangenen Tagen 1 Amerikaner, 11 Europäer (!) und mehrere Staatsbürger aus div. arabischen Ländern unter Terrorverdacht verhaftet.
Vielleicht sollten wir uns in Europa langsam die Frage stellen, wer für wen die größere Terrorgefahr darstellt, nachdem wir uns scheinbar entschlossen haben muslimische Fanatiker mit Glacéhandschuhen anzufassen.

Achja, dem ehemaligen italienischen Geheimdienstchef wird jetzt wohl der Prozess gemacht, weil er mit der CIA kooperierte, die einen islamistischen Prediger entführt und an Ägypten ausgeliefert hat.
Tut man ja auch nicht sowas!
Man wartet gefälligst bis sie ihre Planungen abgeschlossen haben und von alleine das Land verlassen.