Freitag, April 28, 2006

Zu den Waffen?

Von Astuga

Während erfolglose Friedensgespräche in Nigeria sich ihrer offiziellen Deadline nähern, die Regierung des Sudan eine neue Offensive gestartet und sich der Tschad wegen Übergriffen auf sein Territorium sowie der Unterstützung von Rebellengruppen durch sudanesische Milizen mit Khartoum überworfen hat (Frankreich intervenierte und die Arabische Liga schweigt schon seit langem beredt) wird sich kommenden Sonntag in Washington bemerkenswertes ereignen.

Rund 160 Menschenrechtsgruppen werden erwartet, prominent vertreten durch George Hollywood Clooney, sie werden eine sofortige militärische Intervention der internationalen Gemeinschaft (UN, Nato...), natürlich angeführt von der Bush Administration verlangen.

Clooney, der sich selbst kürzlich vor Ort von der Notlage der Menschen überzeugte, wettert jetzt gegen die arabischen Djandjaweed Milizen.
Bravo, Mr Clooney!
Das kommt zwar etwas spät - wir erinnern uns, die Angelegenheit begann schon vor geraumer Zeit - doch zwischen dem Syriana-Dreh, Irak-Bush-Protesten, und der Werbung für Espressomaschinen fand Mr Clooney endlich Zeit sich auch damit zu befassen.
Doch besser spät als nie, achja, eins noch Mr Clooney: Unter Saddam und den Taliban ging es den Menschen dort jeweils auch nicht wirklich gut.
Hinzu kommt, so ziemlich alles was gegen diese Militäraktionen sprach das spricht auch gegen ein Eingreifen in Darfur, und natürlich gibt es keine Erfolgsgarantien - in Darfur sind sie aus mancherlei Gründen sogar noch geringer.
Was werden sie sagen, sollte es notwendig sein Khartoum anzugreifen?
Was falls es zivile Opfer geben wird, oder sogar die dortige Regierung stürzen sollte, was wenn ausländische Widerstandskä... ähem, Terroristen aktiv werden - die al-Qaida hat sich bereits auf den Darfurkonflikt eingeschossen.
Was wenn China interveniert: China hat massive Ölinteressen im Sudan und unterstützt bereits jetzt Khartoum mit militärischem Gerät.
Fragen und moralische Zwickmühlen noch und noch!

Etwas muss getan werden, soviel steht fest, schon weil der Konflikt droht eine größere Region zu destabilisieren und auf andere Länder überzugreifen.
Immerhin, dennoch Respekt Mr Clooney, und auch meinen Respekt den 160 Organisationen, in Europa wäre derartiges schon aus ideologischen Gründen wohl nicht möglich.

Donnerstag, April 27, 2006

Wider das Vergessen und Schweigen!

Von Astuga

1995 wurden der Deutsche Dirk Hasert, die US-Amerikaner Donald Hutchings und John Childs, die Briten Paul Wells und Keith Mangan sowie der Norweger Hans Christian Ostrø in der Nähe des Touristenortes Pahalgam in Kashmir von den islamischen Dschihaddisten der al-Faran entführt.
Childs konnte später fliehen, der 27jährige Ostrø wurde von den Kidnappern enthauptet, die anderen vier Männern blieben bis heute verschwunden.
Es schadet nichts in Erinnerung zu rufen, dass all dies vor 911 geschah, es geschah vor dem Militäreinsatz in Afghanistan und dem Irak die zur Absetzung der Taliban und des Saddam Regimes geführt haben, es geschah vor Abu Ghraib und vor den vielen feigen Anschlägen die in aller Welt verübt wurden, wie auch der Ermordung bzw Enthauptung so mancher Geisel im Irak und "oh Wunder" es hatte auch nichts mit Israel zu tun.

Hasert wurde 2003 von der indischen Regierung für tot erklärt.
Im April 2006 auch nach deutschem Recht.

Auf Betteltour bestohlen?

Von Claudio Casula

Auf n-tv.de berichtet Uli Sahm, dass dem palästinensischen Außenminister Mahmud Sahar aus seinem Hotelzimmer in Kuwait das Portemonnaie geklaut wurde. Das hätte die israelische Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf kuwaitische Medien gemeldet.

Immerhin soll es sich um 450.000 US-Dollar (!) handeln, von denen allerdings nicht sicher ist, ob Sahar der Eigentümer ist, also ein Mann, der sich darüber beklagt, dass israelische Grenzsperren eine Hungersnot im Gazastreifen auslösen würden (bei einem gleichzeitigen Überangebot an Schusswaffen in den Gebieten), oder ob es sich um bereits erbetteltes Geld handelt. Wer weiß, vielleicht wurde auch gar nichts entwendet, und Sahar hat die Nachricht nur über einen Sicherheitsbeamten verbreiten lassen, um so zu tun, als hätte tatsächlich jemand der Hamas-Regierung finanzielle Unterstützung geleistet.

Wie auch immer: Sollte das Geld tatsächlich gestohlen worden sein, dürften die Spekulationen ins Kraut schießen. Vielleicht brauchte Suha Arafat dringend Cash, um in Paris mal wieder auf Shopping-Tour gehen zu können? Man weiß ja nicht, wie es um ihre Sparbüchse bestellt ist, seit die Millionen aus Ramallah nicht mehr überwiesen werden. Und wo sich das von ihrem Mann gebunkerte Geld befindet, ist weiterhin so unbekannt wie die Namen von Kohls Spendern. Na, vielleicht springt ja mal wieder die EU ein. Bevor Sahar noch böse wird.

Mittwoch, April 26, 2006

German Angst

Von Claudio Casula

„Ich habe Angst!“. Das ist das deutsche Mantra. Der Deutsche ängstigt sich gern, und er steht dazu. Mir fällt da der schöne Witz ein, in dem jemand einen sehr bedrückt dreinschauenden Freund trifft und fragt, was denn los sei. Es stellt sich heraus, dass der Freund in die Hosen macht. Der Mann rät ihm, mal zum Therapeuten zu gehen. Wochen später treffen sich die beiden wieder, und nun ist der Freund bestens gelaunt. „Und?“, fragt der eine, „machst du jetzt nicht mehr in die Hosen?“ Strahlt der andere: „Doch, schon. Aber jetzt bin ich stolz darauf!“

So ist das, wenn man von einem Extrem ins andere fällt: Unsere Großväter haben noch eine Blutspur von Norwegens Fjorden bis Nordafrika und von Spanien bis Sibirien gezogen. Heute besteht das vermeintliche Herrenvolk praktisch nur noch aus Waschlappen, die sich vor allem und jedem fürchten. Oder sagen wir: vor fast allem.

Aus der Psychosomatik sind seltsame Ängste bekannt: vor Wind, Blumen und Geld, vor Schnee, vor Bärten und sogar davor, von einem herabstürzenden Satelliten erschlagen zu werden. Manche Leute haben Angst davor, eine Brücke zu überqueren oder über einen blauen Teppich zu laufen. Nun gut, solche Phobien sind individueller Natur und haben nicht selten einen tragischen Hintergrund; wir wollen uns nicht darüber lustig machen. Viel interessanter ist die kollektive Lustangst. Sie macht vor wenig Halt, wenn die Berufsalarmisten in Komplizenschaft mit den Medien jeden Sommer eine neue Sau durchs Dorf treiben. Spontan fällt einem da das Ozonloch ein, BSE, die Nachrüstung, der saure Regen und „le waldsterben“, Aids, Glykol im Wein, Amalgam, Gammelfleisch, Feinstaub. Und, klar, Tschernobyl. Damals soll sich manch einer einen Maronenröhrling ans Ohr gehalten haben, in der vergeblichen Hoffnung, Radio Moskau hören zu können.

Auch der Krieg macht dem Deutschen Angst, was nach zwei verlorenen Welteroberungszügen durchaus verständlich ist. Allerdings fürchtet sich der Reichsangsthase nur vor dem Krieg, wenn der Große oder der Kleine Satan ihn führen, und sei der Schauplatz auch 5000 Kilometer weit entfernt. So sieht er auch keinen Widerspruch darin, während der Golfkrise „Krieg ist nicht die Lösung!“ zu barmen, gleichzeitig aber für eine völlig sinnlose „Intifada“ mildes Verständnis aufzubringen. Irritierend auch, dass reale Konflikte wie der langjährige Balkankrieg, der doch deutlich näher tobte, nicht einen Bruchteil der Empörung auszulösen vermochte, welche die verhassten „Neocons“ jenseits des großen Teichs mit voller Wucht traf.

In diesem Land verhält es sich nämlich so: Je weiter entfernt der Krieg ist, desto mehr fürchtet man sich vor ihm. Und je realer die Gefahr ist, desto weniger nimmt man sie wahr. Wenn es etwa um Iran geht oder um den islamistischen Terrorismus, der längst europäischen Boden erreicht hat, wird diese Bedrohung von der Firma Mahner & Warner einfach ignoriert. Lieber als vor einem wahnsinnigen Diktator in Nordkorea oder religiösen Fanatikern im Mittleren Osten fürchtet man sich vor dem Bündnispartner USA. Da halluziniert man Meinungsunterdrückung, wo Typen wie Michael Moore mit dem Oscar geehrt werden und sieht dubiose erzkonservative Christen an der Zerstörung des Weltfriedens werkeln, während vor aller Augen der reale Terror in New York und Washington zuschlägt, in Casablanca und auf Djerba, in Luxor und Sharm el-Sheik, in Madrid und London, in Tel Aviv, Istanbul und Beirut, in Amman und Bagdad und auf Bali. Da kann Osama bin Laden noch so laut vom Djihad trompeten – das deutsche Panikorchester, das sonst nicht laut genug spielen kann, macht Pause. Mögen die Uhren sonst ständig auf "5 vor 12" stehen, was Ahmadinedschad und seine Vernichtungsphantasien betrifft, bringt man erstaunlich viel Geduld auf und rät mit Nachdruck zu "Verhandlungen" bis zum St. Nimmerleinstag.

Warum bleibt der allgemeine Angstschweiß, den man sonst förmlich riechen kann, ausgerechnet dann aus, wenn die Einschläge näher rücken? Ein Phänomen, das möglicherweise die alten Landser erklären könnten, die sich sonst für Prof. Guido Knopps zeithistorische 45-Minuten-Terrinen vor schwarzem Hintergrund über ihre Erlebnisse „im Kriech“ auslassen. Vielleicht sollten wir sie fragen, bevor es zu spät ist.

Krieg oder nicht?

Von Fega Maldas

Als Ahmadidingens auf der Bildfläche erschien und ein paar Millionen Träumer aus ihrem seeligen Schlaf riss, wehte ein anderer Wind in der europäischen Zeitungslandschaft. Die verstörte Linke wusste nicht mehr genau was gut und böse ist, wozu der Wahlerfolg der Hamas ihr übriges tat. Es muß schmerzhaft sein, seine liebgewonnen Freunde haßerfüllt von Vernichtung reden zu hören. Natürlich ist man immer noch davon überzeugt, dass wir und vor allem die Amerikaner Schuld an der ganzen Misere seien, aber muß deshalb gleich von der Vernichtung Israels geredet werden?
Inzwischen haben sich viele wieder gesammelt (manche blieben tatsächlich ehrlich betroffen auf der Strecke) und ihr Weltbild wieder zurecht gebogen. Man beruhigt sich damit, dass Israel und die USA noch schlimmer seien, da sie schließlich den armen Menschen keine andere Möglichkeit ließen, außer zu HASSEN HASSEN HASSEN!!! Schließlich würden auch sie denjenigen hassen und wenn möglich vernichten, welcher einem anderen Friedensaktivisten etwas antun, oder Gandhi in einem Comic verunglimpfen würde. Hat nicht das große Vorbild Che Guevara genau so agiert? Wollte Fidel Castro nicht die Russen überzeugen, die Amerikaner von der Bildfläche zu sprengen?

Unter diesen Vorzeichen muß man die Diskussion sehen, welche derzeit darum tobt, ob die islamische Republik Iran notfalls mit Gewalt daran gehindert werden darf, falls sie wirklich dazu fähig sind, eine Atombombe zu bauen. Schließlich haben mit Israel und mit den USA zwei Mächte die Bombe, welche viel gefährlicher für den Weltfrieden seien, als die islamische Republik. Ahmadidengel möchte doch nur Israel vernichten und nicht uns (haha) und die Juden haben doch darin Erfahrung, das Opferlamm zu spielen. Wehe sie werden sich gegen diese offen ausgesprochene Drohung zur Wehr setzen!

Nun spriessen also all diese Schreiber und Politiker aus dem Boden, welche vor einem Krieg und deren Folgen warnen. Antikapitalisten warnen vor einem extrem hohen Ölpreis. Friedensaktivisten vor einem explodierenden Nahen Osten. Atomgegner machen sich für das Recht auf (friedliche) Nutzung der Atomkraft, durch die Ölgroßmacht Iran, stark.

Es ist immer schön, all die Argumente zu lesen, welche gegen einen Militärschlag sprechen und man ist gerne geneigt, ihnen zuzustimmen. Wenn, ja wenn ich in einem einzigen Beitrag eine vernünftige Alternative finden würde. Exil-Iraner schreiben davon, dass die islamische Republik davon abgehalten werden solle, an die Bombe zu gelangen, nicht jedoch mit militärischen Mitteln und natürlich auch nicht mit Sanktionen (diese fachen den Haß an!). Mit was denn dann? Mit Verhandlungen, so heisst es. Und wenn diese scheitern? Was macht die Polizei wenn der Verbrecher einfach nicht auf Verhandlungsangebote eingehen möchte? Dann bleibt ihr nichts anderes übrig, als Drohungen in die Tat umzusetzen. Aber was erzähle ich da? Wir wollen ja nicht einmal drohen, wir hoffen, dass jemand, der eine Nation vernichten möchte, auf gut zuhören reagiert. Hitler hätte sicher auch nie getan, was er in „Mein Kampf“ explizit angekündigt hat?

Arbeit, welche kein Deutscher machen möchte

Von Fega Maldas

Seit ich denken kann, kenne ich den Spruch, dass die Deutschen nicht mehr jede Arbeit machen wollten und wir deshalb Arbeitskräfte aus dem Ausland benötigten. Wie so vieles habe ich dies als unumstößliche Wahrheit in mich aufgesogen und brav weiterverbreitet, Määh.

In einer stillen Stunde dachte ich dann darüber nach, welche Arbeit ich nicht machen möchte. Einem erwachsenen Menschen die Windeln wechseln? Nein, das könnte ich nicht.
Maurer? Ist doch immer an der frischen Luft und tut auch was für seine Fitness. Zudem erspart er sich das Solarium und sieht den Fortschritt seines Tuns. Leider ist das Ansehen dieses Berufes nicht sonderlich hoch.
Noch weiter unten angesiedelt sind Putzfrauen und Müllmänner. Diese Berufe haben ein schlechtes Image und es müssen z.T. unangenehme Aufgaben erfüllt werden. Sie sind somit sehr passend für meinen Gedankengang.

Müllmann? Was müsste passieren, damit ich Müllmann werde? Neinnein, Müllmann werden, das möchte ich nicht!! Nie!!
Es gibt so schöne und angesehene Berufe wie Archäologe, Musiker und Physiker. Gut, ein Physiker hat nicht immer das tollste Ansehen, aber man bringt ihm einen Heidenrespekt entgegen. Musiker und Archäologen sind immer immens angesehen und können sich kaum vor interessierten Fragern wehren.

Warum also Krankenschwester oder Müllmann werden und am Hungertuch nagen, anstatt reich und angesehen als Musiker durch die Welt zu stolzieren? Vielleicht deshalb, weil es nicht so ist, oder zumindest nicht so sein muss? Wie viel verdient ein Müllmann (Straßenwärter), wie viel ein Betriebswirt und warum ist dies so?

Deutsche Betriebswirte sind unter sich, in einem relativ geschlossenen Markt, im Gegensatz zu Arbeitsplätzen, wie z.B. auf dem Bau. Hier müssen sich die deutschen Bewerber (so denn es welche gibt) gegen die billige Konkurrenz aus dem Ausland behaupten, welche dafür sorgt, dass weiterhin schlecht bezahlt wird und das Ansehen im Keller bleibt.

Wie würde sich dies in einem geschlossenen Markt entwickeln? Aus Prestigegründen und des Geldes wegen würden alle Berufsanfänger anstreben, Betriebswirt zu werden. Dies würde unweigerlich dazu führen, dass auf dem Bau mehr gezahlt werden müsste, um genügend Interessenten zu finden. Der Markt für Betriebswirte wäre (und ist) übersättigt und unterbezahlt, während das Ansehen der Handwerker unweigerlich stiege, oder zumindest mit einem angemessenen Schadensersatz abgegolten würde. Ein reicher Maurer steigt unweigerlich im Ansehen gegenüber einem arbeitslosen Betriebswirt.

Derzeit kommt es schon oft vor, dass ein Handwerker mehr verdient (trotz dieser Billigkonkurrenz), als ein Physiker(mit einer ungleich längeren und schlechter bezahlten (haha) Ausbildungszeit) und dies bei einer um einiges geringeren Arbeitszeit. Wer von beiden hat bessere Karten, eine glückliche Familie zu gründen?

Krankenschwestern haben sich einerseits gegenüber Konkurrenz aus dem Ausland zu erwehren und zudem noch mit ihrer Berufung, welche sie auch für weniger Geld arbeiten lässt. Wegen dieses sozialen Engagements stehen sie auf der Prestigetreppe, trotz dem geringen Gehalt und den z.T. ekligen Tätigkeiten, sehr weit oben (im Gegensatz zu ihren männlichen Partnern – an was das wohl liegen mag?).

Fazit: es gibt keine Arbeitsplätze, welche ein Deutscher nicht annähme: es gibt nur eine zu geringe Bezahlung.
Es gibt sehr wohl Arbeitsplätze, für die diverse Menschen nicht geeignet sind. In klassischen Einwanderungsländern, wie den USA, Australien und Kanada wird deshalb nach gut ausgebildeten Arbeitskräften gesucht und nicht nach Billigarbeitskräften. Wenn auch niemand etwas dagegen zu haben scheint, einen billigen illegal eingewanderten Mexikaner, anstatt einem teueren amerikanischen Gärtner anzustellen. Das Hemd ist halt näher als der Rock.

Ich bin (k)ein guter Mensch

Von Fega Maldas

Lieber Dr. U.Nowak,

leider bekomme ich meine privaten Probleme, trotz Ihrer Empfehlungen, weiterhin nicht in den Griff.

Sie erinnern sich sicher an die Sorgen, welche uns unser jüngster Sohn Dani (13 Jahre alt) bereitete. Er schlug und schlägt im Zorn unsere gesamte Einrichtung zusammen. Er lässt zwar bisweilen davon ab, wenn wir ihm, wie von Ihnen vorgeschlagen, Schokolade und Spielzeug schenken – und dafür sind wir Ihnen auch sehr dankbar – jedoch ist dies leider meist nicht von langer Dauer.

Es wird immer deutlicher, dass Ihre Analyse genauestens die Wurzel des Übels beschreibt. Diese Verhaltensauffälligkeit kann von nichts anderem stammen, als davon, dass ich ihn, als er 3 Monate alt war, von einer Pflegemutter betreuen ließ. Ich habe so ein schlechtes Gewissen.

Natürlich war dies eine durch nichts gutzumachende Demütigung für ihn und natürlich hatte er deshalb alles Recht der Welt, den Fernseher auf den Boden zu schmeißen. Wie konnte ich ihn dafür nur mit Hausarrest bestrafen? Sie taten schon gut daran, mich für diese Eskalation der Gewalt zu rüffeln. Wie konnte ich nur daran denken, dass diese widerwärtige Tat, ihn einen Monat lang von weiteren Zerstörungen abgehalten hätte. Ich bin vollkommen Ihrer Meinung, dass dies in der Zwischenzeit nur noch mehr Hass in ihm aufsteigen ließ und dieser sich dann, nach eben diesem Monat, in einem befreienden Sturm Luft verschaffen musste. Und ich Wahnsinnige habe ihn natürlich noch einmal eingesperrt, nachdem er beim Bäcker eine Schokolade mitgehen ließ. Mich hätte man einsperren müssen, bei Wasser und Brot. Ich hatte Schuld, ich habe die Gewaltspirale angefacht, ich habe ihn gedemütigt. Schande.

Zu unserem Glück traf ich dann auf Sie: Sie konnten mir die zuvor genannten Zusammenhänge erklären und auch, dass Machtmissbrauch und Demütigung zwangsläufig zu immer größerer Frustration beim Kind führen müssen und dass es mit dem Diebstahl etwas ausdrücken möchte, was es mit Worten nicht umschreiben kann.

Monate später, als Dani seine Schwester dumme Kuh schimpfte, schritt ich zur Tat. Erst erklärte ich ihm freundlich, dass ich ihn verstehe und genau so gehandelt hätte wenn ich an seiner Stelle gewesen wäre. Ich versprach ihm, dass ich alles wieder gut machen würde und gab ihm eine Tafel Schokolade, mit der Bitte, keine solchen Worte mehr gegen seine Schwester zu verwenden. Dies tat er dann auch nicht; statt dessen aß er die Süßigkeit.

Als er am nächsten Tag stampfend nach einer neuen Tafel verlangte, gab ich ihm natürlich auch diese, nicht ohne mich dafür zu bedanken, dass er so ein braves Kind sei.

Zwar stampfte er fortan recht häufig und es ging auch einiges zu Bruch, in unserem Haus –Kinder halt-, jedoch fühlte ich mich sehr wohl mit meiner Erkenntnis und meinem guten Gewissen, wenigstens ab jetzt eine gute Mutter zu sein.

Leider machte ich die Rechnung ohne meinen Mann. Ohne erkennbaren Grund war er stinksauer auf das Verhalten von Dani und vor allem auf mich. Er drohte unserem Sohn sogar Prügel an! Natürlich stellte ich mich gegen eine derart gewaltige Machtdemonstration und auf die Seite meines Sohnes. „Frieden!“ rief ich. „Shalom! Peace! Pace! Was bist du nur für ein brutaler Mensch. Du zwingst unseren Dani mit deiner aggressiven Haltung dazu, Gewalt auszuüben. Wie soll er, bei solch einer Demütigung, noch einen Funken Ehre behalten?“

Mit der Drohung, mich notfalls scheiden zu lassen, konnte ich ihn widerwillig auf Linie bringen. Ich denke jedoch, dass er, obwohl er mir versprach meine Verhandlungen abzuwarten, eine noch größere Demütigung plant.

Immerhin lässt er mich vorerst gewähren und so kann ich meinen Sohn zu einem guten Menschen erziehen und vor allem mein Gewissen bereinigen.

Nun zu meiner Frage: Die Schuld, die ich mir aufgeladen hatte, scheint größer zu sein als erwartet – jedenfalls strömt Danis Wut immer stärker aus ihm heraus. Immer mehr Gegenstände müssen dran glauben und manchmal wird er sogar gewalttätig. Ich verstehe dies ja, jedoch weiß ich langsam nicht mehr, wie ich all seine Wünsche befriedigen soll; mein Mann möchte mir einfach nicht das Geld geben, um ihm seine gewünschte Rakete zu kaufen und mir fehlen dazu inzwischen die Mittel.

Wie kann ich meinen Mann denn noch davon überzeugen, seine Schuld einzusehen und Dani diesen Wunsch zu erfüllen? Ich habe schon der gesamten Verwandtschaft von den schlechten Taten meines Mannes erzählt und davon, dass er alleine an der Eskalation Schuld hat - natürlich nicht ohne zu erwähnen, dass ich ihn weiterhin liebe, aber Kritik muss erlaubt sein, gerade am geliebten Geschöpf.

Bitte geben Sie mir noch einen Rat, wie ich meinen Mann retten kann, damit endlich wieder Ruhe und Frieden einkehrt, in unserem kleinen Haus.

Viele liebe Grüße

Ihre

E.Uhl

Dienstag, April 25, 2006

Gestern Selbstverteidigung, heute Terror

Von Claudio Casula

„Gegen alle menschlichen Werte“ seien die gestrigen Bombenanschläge im ägyptischen Badeort Dahab laut einem Sprecher der Hamas, die als Bollwerk menschlicher Werte hinreichend bekannt ist, seit sie jungen Palästinensern mit Schrauben und Nägeln gespickte Sprengstoffgürtel um den Bauch schnallt und sie in israelische Städte schickt. Den vorläufig letzten Selbstmordanschlag in Tel Aviv hatte die Terrororganisation noch enthusiastisch als legitime Selbstverteidigung gepriesen. Es kommt eben darauf an, wen man in die Luft jagt. Sind die Opfer jüdisch, also, um in der Diktion der Islamofaschisten zu bleiben, „Nachkommen von Affen und Schweinen“, kann man ja keine menschlichen Werte geltend machen.

Wo sogar die Mutter aller Busbomber echt geschockt ist, darf der Generalsekretär der Vereinten Nationen nicht zurückstehen: Kofi Annan, der inzwischen einige Übung im ziemlich nutzlosen Verurteilen von Anschlägen hat, verurteilte die Anschläge. Same procedure as every time, James. Er habe den Verletzten, den Familien der Getöteten sowie dem ägyptischen Volk und der Regierung sein Beileid ausgedrückt und den Akt des Terrors, der auf unschuldige Menschen gezielt habe, verurteilt.
Nicht bekannt ist, ob Annan die ägyptische Führung gleichzeitig streng gemahnt hat, sich bei der Bekämpfung des Terrorismus größtmögliche Zurückhaltung aufzuerlegen, so wie er das gewohnheitsmäßig von der israelischen Regierung verlangt. Aber wenn ich einmal raten dürfte, würde ich sagen: hat er nicht. Es ist auch sehr zu bezweifeln, dass er in der Festnahme einiger Verdächtiger eine „gefährliche Eskalation“ ausmachen oder gar von Mubarak verlangen könnte, sich doch lieber mit den Terroristen an einen Tisch zu setzen und ihnen noch ein paar Millionen Dollar auszuzahlen, um sie freundlich zu stimmen. Aber Angelika Beer wird sich bald ganz bestimmt in diese Richtung äußern. Oder vielleicht doch nicht?
Don’t hold your breath.

Mittwoch, April 19, 2006

Baskischer Terrorismus oder Terrorismus der Basken?

Von Astuga

Rechtzeitig zum Treffen der EU Führung Mitte Juni wird dieselbe EU ein "non-emotive lexicon for discussing radicalisation" herausgeben.

Danach wird festgestellt, dass es so etwas wie Islamistischen Terrorismus nicht gibt.
Zwar beziehen sich die muslimischen Täter auf den Islam, leiten folgerichtig ihre Handlungen aus dem Quran und der islamischen Tradition ab, scheuen dabei auch nicht bis in die Zeit der Kreuzzüge zurückzugehen - und sie werden dabei vom Großteil der Muslime auf den Straßen von Kairo über Damaskus bis Djakarta bestätigt - aber was nach Fisch riecht, wie Fisch aussieht und nach Fisch schmeckt darf laut politisch korrekter EU-Terrorismuskrümmungsverordnung § 123 Abschnitt 13a nicht Fisch genannt werden.

Ich finde die politisch korrekte Bezeichnung des Lexikons ins Deutsche wäre demnach:
"Charakterloses Lexikon zur Diskussion über Radikalismus".

E*mo"tive*ly, adv.
having the character of, emotion

Dienstag, April 18, 2006

Allah ist Hos'!

Von Claudio Casula

Das hat der Welt gerade noch gefehlt: die "Al-Quds-Jeans" ist da, das Beinkleid für den gläubigen Muslim — und gern wohl auch für den gemeinen Globalisierungsgegner und Islamversteher, der sich nur zu gern von seiner zionistisch-imperialistischen Levi's trennen würde. Ja, Designern gibts der Herr im Schlaf: Luca Conradi, Schöpfer der im norditalienischen Udine entwickelten Hose, hat extra auf weiten Schnitt geachtet, auf dass die Bequemlichkeit beim Niederknien gewährleistet sei, denn "normale Jeans können tatsächlich etwas steif zum Beten und Knien sein", wie Abdel Hamid Shaari, Präsident des Islamischen Kulturinstituts und Ex-Produktionsleiter für die italienischen Carrera-Jeans, meint.

Um die gegenwärtige Konjunktur der Farbe des Islams wissend, hat Conradi die Jeans sogar mit grünen Nähten versehen. So dürfte nicht mal die Hamas mit der Buxe Probleme haben, zumal sie in Pakistan von fleißigen Händen wahrhaft Gläubiger gefertigt wird. Und billig ist sie auch noch: Rund 25 Euro dürften sogar die arbeitslosen Randalierer in den Banlieus von Paris und die handytragenden Kids in Ramallah aufbringen. Und falls nicht: Irans Präsident Achmachmirdendschihad hat gerade 50 Millionen Dollar Hilfe für Hamastan angekündigt. Macht schon mal zwei Millionen Al-Quds-Jeans. Für die Palästinenser wahrscheinlich stonewashed.

Wer es nicht glaubt: www.alqudsjeans.com

Nach der Mekka-Cola nun also die Al-Quds-Jeans. Fehlt eigentlich nur noch das Medina-Fluchtauto – von führenden Propheten empfohlen.

Wer liegt da in der Grabeskirche?

Von Claudio Casula

Während die private Konkurrenz an sogenannten Comedyabenden untalentierte Witzbolde sich hilflos verrenken und schale Witze reißen lässt, setzt mein Lieblingssender, das ZDF, sonst eine komplett spaßfreie Zone, neuerdings auf die Nachrichten, um auch mal einen richtigen Brüller zu landen. So las ausgerechnet am Ostersonntag eine Nachrichtensprecherin eine Meldung über die Osterfeierlichkeiten in Jerusalem vor und bezeichnete dabei die Grabeskirche als den "Ort, an dem der Überlieferung nach Jesus Christus begraben liegt (sic!)". Potzblitz! Man fragt sich, nach welcher Überlieferung. Etwa nach dem Evangelium des Markus Schächter? Wurde der Glaube an die Auferstehung Jesu revolutioniert und wir haben es alle nicht mitbekommen? Oder lässt man beim Zweiten die Meldungen jetzt von den Praktikanten der Pisa-Generation schreiben, so wie das Laufband auf N24, das sich trotzig gegen alle Orthographieregeln stemmt? Ein wahrhaftiges Mysterium.

Himmel, hilf!

Von Claudio Casula

Man kann darüber streiten, ob gerade die Deutschen, die im letzten Jahrhundert zwei Weltkriege vom Zaun brachen, dazu berufen sind, zu entscheiden, wer den Weltfrieden (gibts den überhaupt oder macht er nur um Darfur und andere Gebiete einen großen Bogen?) derzeit am meisten bedroht. Sie trauen es sich jedenfalls zu, was an sich ja kein Straftatbestand ist. Strafbar allerdings müsste die Dummheit sein, die sie bei ihrer Einschätzung an den Tag legen, denn laut einer Forsa-Umfrage vom letzten Mittwoch meinen 45 Prozent der Deutschen, dass von den USA eine „größere Bedrohung für den Weltfrieden“ ausgehe als von Iran. Nur 28 Prozent haben Augen und Ohren im Kopf und genügend Hirnschmalz, um eine klare Unterscheidung zu treffen zwischen einer Demokratie und einem religiös-fundamentalistischen Regime, das derzeit dem Staat Israel offen mit Vernichtung droht und gleichzeitig dreist nach Atomwaffen strebt. 16 Prozent sehen in beiden Ländern eine gleich große Gefahr, die schnüre ich hiermit kurzentschlossen zu den 45 Prozent zerebral Entkernten in einen Sack.

In diesem Zustand sind die Deutschen, zugegeben, selbst keine Gefahr für den Weltfrieden, und erst recht keine für die Diktaturen dieser Welt. Sie sind nur noch eine Gefahr für sich selbst. Statt aus dem Desaster der Weltkriege zu lernen, dass der Tyrannei kein Fußbreit gewährt werden darf, machen sie auf die drei Affen und sonnen sich in ihrer hehren Friedfertigkeit und Neutralität. Offenbar habe ich den langfristigen Einfluss von Pastor Fliege grob unterschätzt. Fliege, hat Peter Schneider mal geschrieben, ist auch jener unsichtbare Ort in uns allen, wo Erich Fromm und der kleine Prinz sich guten Nachmittag sagen. Erschreckenderweise ist der Durchschnittsbundesbürger inzwischen so weich in der Birne, dass er nicht mehr zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden in der Lage ist. Hier haben die Medien allerdings auch ganze Arbeit geleistet.

Ehrlich: Bei dem Gedanken, dass jeder Zweite um mich herum George W. Bush und seine Regierung für gemeingefährlicher hält als den Irren von Teheran, wird mir schwarz vor Augen. Mann, Mann, Mann. Das Leben ist wirklich ein hartes in Eurabia.

Mittwoch, April 12, 2006

So wird man Nahostkorrespondent - Eine Anleitung

Von Claudio Casula

Mach dir keine Sorgen: Obwohl der israelisch-arabische Konflikt schon etliche Jahrzehnte währt und hochkomplex ist, ist für den Berichterstatter kaum Grundwissen erforderlich. Es ist auch gar nicht nötig, den unwissenden Leser oder Zuschauer mit Fakten zu nerven und das ganz dicke Brett zu bohren. Ein simples Bild ist gefragt.

Und die Sache ist ganz einfach: Israel ist die stärkere Partei in diesem Konflikt (Bad Guy), die Palästinenser die Underdogs (Good Guy). Nach diesem Muster biegen wir die Ereignisse vor Ort zurecht. Du wirst sehen, es geht wie von selbst.

Vorbemerkung

Israel ist klein, gerade mal so groß wie Hessen, der Konflikt mit den Palästinensern im Vergleich zu anderen Kriegen lokal und eher begrenzt, auch von der Opferzahl her. Gerade mal zwei Tote pro Tag im Durchschnitt während der "Intifada". Das soll uns aber nicht anfechten. Tu so, als wäre jeder scheele Blick eine Meldung wert. Und wenn im Darfur in drei Jahren 180.000 Menschen niedergemacht werden - ein Toter in Gaza, ein paar neue Häuser in einer Siedlung, eine Demo, täglich dargebracht, vermitteln unserer Kundschaft: Da vor allem geht es um die Wurst.

Die Leute glauben längst, dass der Kampf um Israel/Palästina der Konflikt unserer Zeit ist, und wir arbeiten daran, dass es so bleibt.

Für dich ist der Job ideal: Du wohnst in Tel Aviv, kannst tagsüber im Mittelmeer baden und abends bequem in deinem Lieblings-Pub ein Bierchen zischen. Wenn du ein bisschen Action haben willst, brauchst du nur 15 km nach Osten zu fahren. So einen Konfliktherd findest du kein zweites Mal.

Fakten

Geh sparsam mit Fakten und bestätigten Meldungen um. Saftige Gerüchte und vorschnelle Anschuldigungen sind viel aufregender. Erinnere dich an Muhammed al-Dura. Oder an das "Massaker von Jenin". Heiko Flottau hat damals geschlagene zwei Wochen lang in der SZ sehr farbenfrohe Schauergeschichten von "500 Toten" gebracht, von Männern, die auf der Erde nebeneinander gelegt von Panzern überrollt wurden etc. In solchen Fällen setzt du die Glaubwürdigkeit deiner Gewährsleute einfach voraus. Entpuppt sich die Geschichte hinterher als grandiose Ente, ist das kein Drama. Eine Entschuldigung wird dein Blatt / dein Sender ohnehin nicht bringen. Oder du setzt wie Flottau einen drauf und machst dich am Ende noch über den "Fehlschlag" der israelischen Armee lustig, die eben doch nur zwei Dutzend Terroristen erwischt hat.

Wenn es um die Ursachen für die "Al-Aqsa-Intifada" geht, ignoriere das Geständnis des palästinensischen Kommunikationsministers Faludji, der schon vor Jahren zugab, dass die Gewaltwelle Monate im Voraus geplant war. Wärme statt dessen zum x-ten Mal die ranzige These von Sharons Kurzbesuch auf dem Tempelberg als "Provokation" auf.

Opfer

Tote liefern spektakuläre Bilder. Die Araber zeigen die ihren gerne her, die Juden aus Pietätsgründen nicht. Also bringen wir auch nur die arabischen. Außerdem ist bei palästinensischen Begräbnissen immer was los, mit Hunderten, die in die Luft ballern und Rache schwören, während die Israelis nur schluchzend am Grab stehen.
Wichtig: Unbedingt vermeiden, dass man israelische Opfer sieht. Nach jedem Anschlag liegen in den Krankenhäusern Dutzende Schwerverletzte herum. Bekommt der deutsche Medienkonsument die zu sehen, könnte er auf die Idee kommen, dass auch Israelis Opfer des Konflikts werden.
In die Opferstatistik packen wir übrigens unterschiedslos alles rein, was bei dem Konflikt zu Tode kommt: Selbstmordbomber und ihre Opfer, Siedlerkinder und gezielt liquidierte Terror-Chefs, Zivilisten und Soldaten, nicht uniformierte Gunmen und Gelynchte, Kollateralschäden und Bewaffnete, die beim Überfall auf eine Ortschaft erschossen werden etc. Der Vorteil des undifferenzierten Bodycounts: Wer am Ende mehr Tote zu beklagen hat, egal ob Kombattanten oder Fahrgäste im Linienbus, ist im Recht.

Bilder, Bilder, Bilder

Die Medienpräsenz in Israel und Palästina wird dich überraschen. Dort drängeln sich mehr Journalisten als in ganz Afrika. Um jeden Steinewerfer stehen sechs Kameramänner und Fotografen herum. Dein arabischer Fotograf weiß schon, welche Motive gefragt sind, etwa wenn ein Panzer des Weges kommt und ein kleiner Junge zur Schleuder greift. Solche Gelegenheiten ergeben sich zuhauf, ja täglich, wohingegen man sich vom nächsten Busbombenattentat in Tel Aviv überraschen lassen muss. Da sind dann nun mal keine Bilder möglich.

Ursache und Wirkung

Geschieht ein solcher Anschlag, können wir davon ausgehen, dass die israelische Armee gegen die Urheber vorgeht. Dann sind wir wieder dabei. Wichtig: Die üppige Verwendung des Wortes "Vergeltung", auch wenn es sich um eine absolut vertretbare Maßnahme zum Schutz der Bürger handelt. Der Wiedererkennungswert ("alttestamentarische Rachsucht") ist beträchtlich und delegitimiert die Aktion. Bemühe das Bibelwort "Auge um Auge, Zahn um Zahn" bei jeder Gelegenheit. Es geht da zwar um Entschädigungsregelungen, aber das weiß eh kein Mensch. Erwischt die israelische Armee einen Chefterroristen per Rakete in seinem Auto, machen wir auf mit "Israel greift Gaza-Stadt an".

Pflanzt ein Terrorist am Straßenrand eine Bombe, wird dabei von einer Patrouille erwischt und erschossen, titeln wir "Israelis erschießen Palästinenser". Am Ende bleiben so nicht die palästinensischen Aktionen hängen, sondern die israelischen Reaktionen. Genial, nicht?

Die Mauer

Die von Israel errichtete Sicherheitsanlage besteht zu 96 Prozent aus High-Tech-Zaun, aber wir bleiben beim Terminus Mauer, das ist plakativer und erinnert an das Berliner Monstrum. Vermeide, den rasanten Rückgang der Terroranschläge um 80 Prozent zu erwähnen und weise statt dessen darauf hin, dass der Bau der "Mauer" manche Unbill für die palästinensischen Anrainer mit sich bringt.

Fahre notfalls 50 Kilometer am Zaun entlang, bis du ein Mauerstück findest, das du filmen kannst, gern mit einem palästinensischen Jungen davor, der einen Esel an der Leine führt. Alternativ: ein altes Mütterchen mit Kopftuch, das einen Checkpoint passiert oder mit einem schwer bewaffneten Soldaten disputiert.

Empöre dich über acht Meter hohe Betonteile und lass außer Acht, dass sie dort errichtet wurden, wo früher Gewehrschützen auf Autos und doppelstöckige Linienbusse schießen konnten.
Akzeptiere die Klage, die Sperranlage sei ein Hindernis für den Frieden, obwohl sie erwiesenermaßen ein Hindernis für Terroristen ist.

Friedensgegner

Im Gegensatz zu den palästinensischen Autonomiegebieten ist Israel eine Demokratie, in der echte Radikale kaum Zulauf haben. Erkläre deshalb jeden zum Hardliner, der sich rechts von Uri Avnery befindet.

Lässt du mal einen Israeli zu Wort kommen, was möglichst selten der Fall sein sollte, dann nimm einen wie Avneri oder auch Moshe Zimmermann. Die sprechen praktischerweise auch beide deutsch. Jeder Mainstream-Israeli, der aus guten Gründen Zweifel am Friedenswillen des palästinensischen "Partners" hat, ist für uns ein Gegner des Friedens an sich. Ganz wichtig: Stelle die Linken als die wenigen guten Israelis dar, die Siedler als das Böse schlechthin und ignoriere die breite Mitte der Gesellschaft. Sorge dafür, dass vor allem Soldaten, bewaffnete Siedler und orthodoxe Juden in deinen Berichten auftauchen.

In der palästinensischen Gesellschaft gibt es kaum echte Demokraten, deshalb gehört eine säkulare Terrororganisation wie Fatah schon in die Schublade "gemäßigt", auch wenn noch der letzte Likudnik mehr Demokratieverständnis besitzt als diese maskierten und Kalaschnikows schwingenden Kohorten. Danach kannst du die Hamas ruhig "radikal" oder besser "militant" nennen und guten Gewissens von "Radikalen" oder "Extremisten auf beiden Seiten" sprechen.

Mach alles gleich. Zwar stehen sich in diesem Konflikt zwei sehr unterschiedliche Parteien gegenüber, nämlich auf der einen Seite eine pluralistische parlamentarische Demokratie mit freier Presse, Gewaltenteilung etc., vom Wählerwillen auf Friedenskurs getrimmt, auf der anderen ein von korrupten Revoluzzern und Warlords kontrollierter rechtsfreier Raum, in dem allerhand Milizen ungehemmt wachsen und gedeihen, die ein Interesse am fortwährenden Kriegszustand haben, um von ihrem völligen Versagen auf allen Gebieten abzulenken. Du aber musst den Eindruck erwecken, dass da zwei irgendwie gleich geartete Konfliktparteien miteinander zu Potte kommen können. Vergiss die herkömmliche Weisheit, dass man für den Frieden zwei braucht, für den Krieg aber bereits einer genügt.

Hintergrundinformationen

Absolut tabu. Wenn du erst einmal anfängst, Teilungspläne, israelische Friedensofferten oder arabische Kompromissunfähigkeit zu erläutern, verunsicherst du nur die Leute, die den Beginn des Konflikts mit der Eroberung der Westbank und Gazas 1967 ansetzen und lediglich zwischen Besetzten und Besatzern unterscheiden wollen. Lass es!

Die Palästinenser

Hab Verständnis. Hab noch mehr Verständnis. Egal, was sie treiben, ob Lynchmorde an Kollaborateuren oder Jubelfeiern nach einem Massaker in Jerusalem, ob sie israelische Flaggen verbrennen und "Tod den Juden!" rufen oder Straßen nach Suizidmassenmördern benennen, ob sie Kinder als Kanonenfutter missbrauchen oder unehelich schwanger gewordene Frauen zur Wiederherstellung der Familienehre in den Märtyrertod schicken. Merke: An allem ist "die Besatzung" schuld, zehn Jahre Autonomie hin oder her.
Hake nicht nach, wenn Saeb Erekat von "40 years of occupation" spricht und Osloer Abkommen und Selbstverwaltung souverän ausklammert.

Unterschlage, dass die Roadmap in erster Linie von der PA Maßnahmen gegen den Terror fordert. Akzeptiere, dass Kompromisse seitens der Palästinenser nicht möglich sind, weil sie ihre Maximalforderungen als "heilige Rechte" ansehen und jedes Entgegenkommen als Verrat.
Lass sie jammern. Lass sie noch mehr jammern. Über Landkonfiszierungen und abgeholzte Olivenbäume, Mauerbau und Checkpoints und darüber, dass sie nicht mehr in Israel arbeiten dürfen. Halte dich nicht mit Erklärungen der Ursachen für jede dieser Maßnahmen auf. Dafür bleibt im unserem Tagesgeschäft keine Zeit. Schließlich können wir über alles reden, aber nicht über 1:30.

Gefahren

Vermeide es, auch nur ein Wort der Kritik am Gewalt- und Todeskult in den Gebieten zu verlieren. Mit Kritik kann man dort schlecht umgehen. Denk an Ricardo Cristiano von der RAI, der sich dafür entschuldigt hat, dass die Kollegen vom Privatsender RTI den Lynchmord von Ramallah gefilmt hatten, und an die massiven Drohungen gegen Journalisten, die das Verbrechen dokumentieren wollten. Oder an die Jubelszenen in Ramallah am 11. September. Man hat die ausländischen Reporter damals in einem Hotel eingesperrt, bis das Happening vorbei war. Also halte den Ball flach.

In Israel geschieht dir nichts. Die Linken sind dir sogar gern behilflich, wenn du Israel anprangerst, und die breite Masse ist ohnehin nichts anderes gewohnt.
Geht es in den Gebieten mal etwas heftiger zur Sache, bleib cool. Wozu hast du all die arabischen Freelancer, die als Fotografen und Kameramänner vor Ort sind? Mach dir den doppelten praktischen Nutzen klar: du musst das Bildmaterial nicht einmal sichten.

Wenn du für das Fernsehen arbeitest, spare dir das Anlegen der schusssicheren Weste für den Aufsager am Abend auf, damit man auch sieht: Hei-ho, der traut sich aber was als Krisenreporter!

Kleines Wörterbuch

Die dezente Zurückhaltung, die wir bei der Berichterstattung aus Frankreich oder Australien üben, darfst du an deinem neuen Arbeitsplatz getrost ablegen. Werte nach Herzenslust, greife tief in die Phrasenkiste, gehe großzügig mit Euphemismen und Hyperbeln um.

Terrorist: Militanter, Kämpfer, Radikaler, Bewaffneter
Terroranschlag: Angriff, Zwischenfall
Terrorwelle: Intifada, Aufstand, Unruhen, Widerstand, Ringen um Unabhängigkeit
Militäraktion gegen Terroristen: blutige Vergeltung, Rache, Drehen an der Gewaltspirale
Israelischer Politiker: Hardliner
Palästinensischer Diktator: charismatischer Führer
Arabischer Märchenerzähler aus Jenin: Augenzeuge
Zaun: Mauer
Liquidierung einer "ticking bomb": ungesetzliche Tötung
Andauernde Gewalt: Waffenstillstand, Hudna
Steine- und Molliwerfer, Gewehrschütze: Demonstrant
Chef einer islamistischen Terrororganisation: spiritueller Führer
Dessen Stellvertreter: Kinderarzt

Beachte: Palästinenser nie im Aktiv erwähnen! Palästinenser werden erschossen, aber sie ermorden niemals Israelis. Sprengt ein Terrorist einen Bus in die Luft, titeln wir neutral: "Anschlag in Tel Aviv". Oder: "Nahost: Tote bei Selbstmordattentat". Nie die Urheber erwähnen. Zwar werden die Bomber immer von einer Organisation losgeschickt und sind nur ein Rädchen in der Maschinerie des Terrors. Sprich aber trotzdem von einer "Verzweiflungstat", das gibt den Human Touch.

Halte Äquidistanz zu Tätern und Opfern und sei stolz auf deine Unabhängigkeit und Neutralität. Wenn laut einer EU-Studie 59 Prozent der Europäer und 65 Prozent der Deutschen Israel als größte Gefahr für den Weltfrieden ansehen, ist das zu einem erheblichen Teil dein Verdienst.

Wenn du alle Ratschläge dieses Handbuches beherzigst, hast du besonders gute Chancen, bei Arte, beim ZDF, beim stern oder bei der Süddeutschen Zeitung unterzukommen.

Medienschelte

Von Claudio Casula

Gut, dass Axel Springer das nicht mehr erleben musste: Als Unterzeile in der WELT von heute (12.4.2006) heißt es doch tatsächlich: "Tel Aviv setzt Angriffe auf Palästinenser fort", obwohl a) die Hauptstadt Israels immer noch Jerusalem heißt, ob einem das schmeckt oder nicht und b) nicht "die" Palästinenser angegriffen werden, sondern die Stellungen, von denen aus Israel täglich mit Raketen angegriffen wird, was übrigens im Artikel von Norbert Jessen, dessen Korrespondentenqualitäten beizeiten einer Erörterung bedürfen, durchaus eingeräumt wird: Seit Anfang des Jahres seien 500 Raketen in Israel eingeschlagen, 90 palästinensische Selbstmordattentäter in diesem Zeitrum auf dem Weg zum Anschlag gestellt worden. Was also soll die irreführende Schlagzeile? "Tel Aviv setzt Angriffe auf Palästinenser fort" – das hätte genau so auch im "Neuen Deutschland" stehen können. Und dafür hat man eine freie Presse?!

Den Vogel schoß neulich wieder mal die Süddeutsche Zeitung ab. Täglich ist das Blatt längst nicht mehr zu ertragen, aber selbst bei Stichproben wird die SZ immer wieder auffällig.
Am 10. Februar hieß es da:
"ÜBERFALL AM GRENZÜBERGANG EREZ – Israelische Soldaten töten drei Palästinenser / Ägyptischer Diplomat entführt"
Was soll man davon halten? Natürlich versteht es der gemeine Leser so: Israelische Soldaten überfallen Palästinenser, töten drei von ihnen und kidnappen einen Diplomaten. Tatsächlich ist es genau umgekehrt, denn im Bericht von Thorsten Schmitz heißt es wörtlich: "Am Donnerstag griffen zwei mit Sprengstoffgürteln ausgerüstete Palästinenser den Grenzübergang Erez im Norden des Gazastreifens an. Sie warfen nach Angaben der Armee Handgranaten auf israelische Soldaten und feuerten mit Maschinengewehren. Als die Soldaten das Feuer erwiderten, wurden die beiden Palästinenser getötet. Dabei explodierte auch mindestens einer der Sprengstoffgürtel. (…)
Zu dem Angriff bekannte sich das ,Volkswiderstandskomitee' und die ,Al-Aksa-Brigaden', die mit der Fatah-Organisation von Präsident Machmud Abbas in Verbindung stehen. Kurz danach versuchten zwei Palästinenser, eine Bombe am Zaun zwischen dem Gaza-Streifen und Israel anzubringen. Soldaten töteten einen der Männer. Wenig später wurde ein ägyptischer Diplomat im Gaza-Streifen entführt. (…)"

Wir halten fest: Alle drei Palästinenser kamen beim Versuch um, Soldaten zu töten bzw. eine Bombe zu legen. Der ägyptische Diplomat (Militär-Attaché Hussam al-Musli) wurde natürlich auch von palästinensischen Terroristen verschleppt. Dennoch suggeriert die SZ-Schlagzeile, dass israelische Soldaten die Übeltäter waren. Sie vertauscht auf dreistete Weise einmal mehr Täter- und Opferrolle.

Nun muss man wissen, dass die Überschriften nicht von den Korrespondenten selbst, sondern von den Redaktionen in Deutschland fabriziert werden. Und im Eifer, beim Leser möglichst was Bestimmtes hängenbleiben zu lassen, passiert es denn auch häufig, dass Schlagzeile und Inhalt des Artikels irgendwie so gar nicht zusammenpassen wollen. Wie peinlich! Und wie entlarvend.

Frohe Botschaft zum Osterfest: Der SWR hat Eier!

Von Claudio Casula

Na also – es geht doch! Nachdem die ARD im März die Ausstrahlung einer Fernsehdokumentation mit dem Titel „Terror gegen Christen. Bethlehems bedrohte Minderheit“ kurzfristig abgesetzt hatte, „um Informanten und Interviewpartner nicht zu gefährden“, will der Südwestrundfunk nun am 25. April ein „Südwest extra: Terror gegen Christen?“ zeigen.

Die durchaus entbehrliche Frageform wirft allerdings die Vermutung auf, dass hier äußerste Behutsamkeit die Mutter der Porzellankiste sein könnte. Außerdem rückt der Sendetermin mit 23.05 Uhr erschreckend stramm auf die Geisterstunde zu. Und neben Uri Schneider, dem Autor des o.g. Beitrags, und Ex-ARD-Nahostkorrespondent Jörg Armbruster kommt (you get it!) der unvermeidliche Michael Lüders über uns, der als „Kenner der Region“ angekündigt wird. Mal sehen, welche Erklärung ihm zur Christenverfolgung in arabischen Ländern einfallen wird.

Und das Erste legt nach: Am 31. Mai (noch später, nämlich um 23.15 Uhr, um den Ausschluss der Öffentlichkeit zu gewährleisten) nimmt sich eine ARD-Gemeinschaftsreportage mit dem Titel „Verfolgte Christen – Die bedrohte Religionsfreiheit“ (Federführung liegt beim SWR) des Themas an. Beteiligt seien „verschiedene Auslandskorrespondenten des Senderverbunds und Autoren“.
Immerhin heißt es in der Pressemitteilung des SWR: „Die Lage christlicher Minderheiten in islamischen Ländern ist schwierig, manchmal lebensbedrohlich. Auch in den palästinensischen Autonomiegebieten leben Christen, die sich verfolgt fühlen (sic!)“.

Gefühlte Verfolgung statt gefühlter Temperatur also. Na ja. Wir wollen nicht ungerecht sein. Warten wir ab, was das Erste aus dem Thema macht, vorausgesetzt, es ergreift nicht wieder das Hasenpanier. SWR-Fernsehdirektor Bernhard Nellessen jedenfalls betont tapfer, das Thema bleibe aus Sicht des SWR drängend: „Wir beugen uns bei unserer Berichterstattung keinem Druck von außen. Deswegen wird sich der SWR in zwei neuen Sendungen mit der gefährlichen Situation christlicher Minderheiten auseinandersetzen.“

Na, dann mal los. Nur Mut!

Die Lösung des iranischen Atom-Problems

Ahmahdinedschad zu Besuch in der Atomanlage:
"Ach, und das da ist also die Zentrifuuuuuuuuuuuiiiiiiiiii----?"